Frauenhände halten Babybody hoch

Durch meine langjährige Freundin Janina kam ich zum ersten Mal mit dem Thema Eizellenspende in Berührung. Es ist ein umstrittener Eingriff, der vor allem auf ethischer Ebene viel diskutiert wird. Gleichzeitig steht die Frage im Raum, wieso eine männliche Samenspende erlaubt und gesellschaftlich akzeptiert ist, während die Eizellenspende einer Frau so sehr in der Kritik steht. In den USA, aber auch in den meisten europäischen Ländern ist die Eizellenspende gesetzlich erlaubt. In Deutschland hingegen dürfen Ärtz*innen diesen Eingriff nicht durchführen.

Für aempf durfte ich Janina interviewen, die ihre Geschichte mit uns teilt und so Aufmerksamkeit für dieses Thema schaffen möchte. Zusammen mit ihrem Mann lebt sie in München und erwartet im Frühling ihr erstes Kind. Sie hat mit mir über ihren langen Weg bis zur Schwangerschaft geredet, über Hindernisse und Zuspruch. Auch wenn ich sie in dem ganzen Prozess begleiten durfte, hat mich unser Gespräch doch nochmal sehr berührt und ich bin ihr dankbar für so viel Offenheit!

Liebe Janina, danke, dass wir mit dir eine Art, schwanger zu werden, beleuchten dürfen, über die die meisten nicht viel wissen: die Eizellenspende. Dieses Thema hat so gar keine Plattform, worüber wir später noch sprechen werden. Jetzt bist du aktuell schwanger durch solch einen Eingriff – wieso haben du und dein Mann eine Eizellenspende in Anspruch genommen?

Vor sieben Jahren – als ich 26 Jahre alt war – wurde festgestellt, dass ich mich in der vorzeitigen Menopause befinde und vermutlich keine Eizellreserve mehr vorhanden ist. Eine Eizellspende ist also für mich der einzige Weg, schwanger werden zu können.

Ich persönlich kenne deinen Weg dorthin natürlich schon. Kannst du ihn trotzdem nochmal beschreiben?

Wir haben es zuerst mit einer herkömmlichen künstlichen Befruchtung versuchen wollen. Es war bei mir aber von vornherein relativ unwahrscheinlich, mit einer hormonellen Stimulation körpereigene Eizellen gewinnen zu können. Dennoch haben wir einen Versuch gestartet, um herauszufinden, ob dies zum Erfolg führen könnte. Zuvor mussten wir in einem langen nervenaufreibenden Prozess mit der gesetzlichen Krankenkasse die anteilige Übernahme der Kosten erstreiten.

Die hormonelle Stimulation führte – wie schon erwartet – nicht zum Erfolg. Für mich war es jedoch wichtig, diesen Schritt zu gehen, weil ich so auch mit dem Verlust meiner eigenen Genetik abschließen konnte. Einige Jahre zuvor war ich bei der Internetrecherche auf die Möglichkeit der Eizellspende gestoßen und hatte dabei von Anfang an das Gefühl, dass dies unser Weg zu einem Kind sein könnte.

Da die Eizellenspende in Deutschland verboten ist, musstet ihr dafür ins Ausland reisen. Für welches Land habt ihr euch entschieden und wieso?

Wir haben die Eizellspende in einer Klink in Österreich durchführen lassen. Da Deutschland durch das Verbot von vornherein keine Option war, habe ich mich zuerst darüber informiert, in welchen Ländern das überhaupt möglich sein würde. Es gibt sehr viele europäische Nachbarländern, in welchen die Eizellspende legal ist.

Anfänglich hatte ich Kontakt zu einer portugiesischen Klink. Aufgrund der Entfernung und der diversen Termine, die man in den Kliniken wahrnehmen muss, war Österreich als unser deutschsprachiges Nachbarland dann die beste Option für uns.

Was war das Schwierigste in dem ganzen Prozess für dich persönlich?

So dumm es sich anhört: der Verlust meiner Genetik. Das mag erst einmal seltsam klingen, aber ich hatte schon damit zu kämpfen, dass das Kind mir nicht ähnlichsehen oder Veranlagungen von mir haben würde – was ja auch nicht in allen Punkten positiv wäre. Ich denke, es ist ein urmenschliches Verlangen, sich selbst in seinem Nachwuchs zu erkennen.

Außerdem war da noch die Schwierigkeit, die Hoffnung auf den Erfolg nicht zu verlieren. Weil man natürlich immer mit Rückschlägen kämpfen muss, die häufig den gesamten Prozess in Frage stellen.

Was waren das für Rückschläge?

Vor dem Einsetzen der befruchteten Eizelle musste ich meinen Körper durch Spritzen hormonell darauf vorbereiten. Diese Vorbereitungsphase musste ich zweimal abbrechen, weil ich an Corona erkrankt bin. Das war natürlich schwerer zu akzeptieren, so kurz vor dem entscheidenden Schritt. Mit jedem Versuch sind auch immer viele Emotionen und eine große Anspannung verbunden. Die psychische Belastung ist nicht zu unterschätzen und die ständige Warterei zermürbt: auf die Genehmigung der Krankenkasse, auf Termine in der Klinik, auf Medikamente, auf den richtigen Zeitpunkt im Zyklus, auf den nächsten Versuch … Das Warten erscheint manchmal endlos.

Außerdem hat der erste Versuch durch eine Eizellenspende Mutter zu werden leider nicht geklappt. Nachdem die Schwangerschaftstests nicht positiv waren, musste die Behandlung abgebrochen werden.

Habt ihr zwischendrin auch daran gezweifelt, den richtigen Weg gegangen zu sein?

Nein, aber jeder Rückschlag macht einen nachdenklich. Wir haben uns auch immer wieder gefragt, wie ein Leben ohne Kinder aussehen würde.

Abgesehen von den genannten Rückschlägen. Was gab es für Hindernisse auf eurem Weg zur Eizellenspende?

Das größte Hindernis war für mich definitiv der fehlende Austausch mit anderen Betroffenen und überhaupt an Informationen über das Thema zu kommen.

Genau deswegen wollen wir dem Thema bei aempf auch Sichtbarkeit geben. Ich weiß, dass es ein Prozess bis zur Schwangerschaft war, der für dich nicht immer leicht war. Was hat dir dabei am meisten geholfen?

Die bedingungslose Liebe und Unterstützung von meinem Mann und der Austausch mit meinen Freunden und meiner Familie. Die vielen Gespräche haben mir dabei geholfen, den Mut nicht aufzugeben.

Wie offen geht ihr mit dem Thema denn um? Eine zentrale Frage bei der Thematik ist ja auch: Was wollt ihr eurem Kind später erzählen?

Mir ist es sehr wichtig, andere Menschen über diese Möglichkeit zu informieren. Gerade, weil es für mich so unglaublich schwer war, an Informationen über eine Eizellspende zu kommen. Alle Informationen, die ich am Anfang erhielt, hatte ich mir über Internetrecherche selbst angelesen. Offensichtlich sind wir nicht das einzige Paar, welches diesen Weg gegangen ist. Es gibt sehr viele, die für eine Eizellspende ins Ausland gehen. Darüber gesprochen wird aber kaum. Dabei hat es mir so sehr geholfen, als mir meine Ärztin von einer Patientin erzählt hat, die eine Eizellspende in Anspruch genommen hat und dadurch Mutter werden durfte.

Der offene Umgang mit dem Thema gegenüber unserem Kind ist für mich selbstverständlich.

Wir haben uns deswegen auch für eine nicht-anonyme Eizellspende in Finnland entschieden. Das bedeutet, dass das Kind mit seinem 18. Lebensjahr Kontakt zur Spenderin aufnehmen kann, wenn diese damit einverstanden ist. Ich kann mir vorstellen, dass sich bei einem heranwachsenden Menschen auf der Suche nach der eigenen Identität früher oder später die Frage aufdrängen wird, woher man stammt. Die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme möchte ich unserem Kind nicht verwehren.

Mit solch einem offenen Umgang macht man sich ja auch immer angreifbar. Wie waren denn die Reaktionen seitens Freunden und Familie auf die Eizellspende?

Vor allem interessiert, neugierig und durchwegs positiv. Selbst meine 90-jährige Oma hat gleich verstanden, warum wir diesen Weg gehen. Bisher hat sich niemand in meinem Umfeld negativ geäußert, wobei auch das in Ordnung wäre. Über die Schwangerschaft haben sich alle sehr für uns gefreut, weil viele unseren langen und steinigen Weg bis dahin kannten.

Weniger empathisch ist bestimmt das medizinische Umfeld, in das man sich bei jeder Art der Schwangerschaft regelmäßig begeben muss. Hast du hier negative Kommentare und Reaktionen seitens der Ärzt*innen oder des klinischen Personals in Deutschland bekommen?

Nein, da hatte ich immer Glück mit den Ärzten. Ich hatte das Gefühl, dass sich vor allem die Ärztinnen als Frauen sehr gut in meine Situation hineinversetzen konnten. Trotz des Beratungsverbots für deutsche Ärzte wurde ich über die Möglichkeit der Eizellspende im Ausland informiert. Schließlich war diese Option – zusammen mit Adoption – die einzige Möglichkeit zu einem Kind für uns.

Beim Thema Kinderwunschbehandlung geht es auch immer um viel Geld. Mit welchen Kosten muss man bei einer Eizellenspende denn rechnen? Ist das pauschal überhaupt zu beantworten?

Es kommt darauf an, in welchem Land die Eizellspende durchgeführt wird und ob diese anonym oder nicht-anonym ist. Wir haben uns für eine nicht-anonyme Spende von 3 Blastozysten (befruchtete Eizelle, 5-6 Tage alt) entschieden. Dafür haben wir knapp 10.000 € gezahlt. Wenn der erste Eizelltransfer nicht klappt, sind bei jedem weiteren Versuch ca. 2.000 € fällig.

Was glaubst du, wieso ist das ganze Thema Kinderwunschbehandlung immer noch so ein großes Tabu? Und kennst du jemanden, der ebenfalls durch eine Eizellenspende schwanger geworden ist?

Ich denke, viele Männer und Frauen fühlen sich schlecht oder vielleicht sogar minderwertig, wenn herauskommt, dass medizinische Probleme bei der Fortpflanzung bestehen. Das scheint so etwas Naturgegebenes, Selbstverständliches zu sein. Leider ist das heutzutage –wie Statistiken zeigen – nicht mehr richtig und viele Paare kämpfen mit einem Qualitätsverlust von Samen- und Eizellen. Wenn es bei einem selbst nicht funktionieren will, hat man schnell das Gefühl, dass alle Paare um einen herum unglaublich schnell schwanger werden.

Vielleicht gehen Paare auch nicht offen damit um, weil Sie sich nicht verletzlich zeigen wollen. Schlussendlich ist das eine sehr persönliche Entscheidung, wie man damit gegenüber anderen umgeht. Darüber zu sprechen würde auf jeden Fall vielen anderen, die sich in der gleichen Situation befinden, weiterhelfen.

Ich kenne in meinem Umfeld leider niemanden persönlich, der durch Eizellspende schwanger geworden ist. Aber auf den Social-Media-Plattformen gibt es einen großen Austausch zu diesem Thema, was mir sehr geholfen hat. Dieser Austausch findet in Deutschland aufgrund des Verbots auf persönlicher Ebene leider nicht statt, obwohl genau das den Betroffenen so sehr helfen würde.

Da sind wir bei der leidigen Frage, die fast jede Frau kennt: wann man denn endlich ein Kind will. Wie bist du mit der Frage umgegangen? Und wie war es, wenn dir mal wieder eine Freundin erzählt hat, dass sie ein Baby erwartet?

Ich finde grundsätzlich, dass man andere nicht fragen sollte, wann sie endlich mit dem Kinderkriegen loslegen. Nach der Heirat oder ab einem gewissen Alter scheint das für die Gesellschaft der nächste logische Schritt zu sein – was auch sonst. Da es so viele andere Lebensentwürfe und auch Menschen ohne Kinderwunsch gibt, bin ich der Meinung, dass man mit dieser sehr persönlichen Frage vorsichtig umgehen sollte.

Die Frage hat mich – aufgrund unserer Situation und weil man es einfach generell nicht in der Hand hat, wann man schwanger wird – immer aufgewühlt und irgendwie wütend gemacht. Manchmal habe ich auf die Frage auch geantwortet, dass es bei uns nicht so einfach ist. Meistens wurde dann nicht weitergefragt.

Anfangs habe ich mich immer sehr für Freundinnen gefreut. Als wir dann selbst mittendrin waren und einige Rückschläge erleben mussten, wurde es immer schwieriger, mich wirklich zu freuen. Ich denke das ist auch in Ordnung, da sich während dieser Zeit natürlich alles um den sehnlichen Wunsch dreht, schwanger zu werden.

Am schwierigsten war es für mich, als meine jüngere Schwester schwanger wurde. Da habe ich ein paar Wochen gebraucht, bis ich mich darüber freuen konnte. Ich habe in dieser Zeit sehr viel nachgedacht, mit mir gerungen und wollte nicht, dass mein Neid zwischen uns steht. Ich habe mich dann lange mit meiner Schwester unterhalten und für mich entschieden, dass unser Problem nichts mit ihr zu tun hat. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich richtige Freude für sie empfinden.

Jetzt darfst du endlich selbst schwanger sein! Auf was freust du dich dabei am meisten?

Ja, das ist ein wirklich unglaublich tolles Geschenk! Ich genieße die Schwangerschaft gerade sehr und bin so gespannt, meinen Mitbewohner oder meine kleine Mitbewohnerin bald kennenzulernen. Ich freue mich so sehr darauf, dass wir Eltern werden dürfen und einen Menschen von Anfang an in seinem Leben begleiten dürfen.

Janina, lieben Dank, dass du eure Geschichte und euren Weg mit uns geteilt hast! Wir wünschen dir und deiner kleinen heranwachsenden Familie natürlich alles Gute. Eine abschließende Frage darfst du mit all deinen Erfahrungen aber noch beantworten: Was würdest du dir vom deutschen Staat oder unserem Gesundheitssystem wünschen?

Das Hinterfragen eines über 30 Jahre alten Gesetz zum Verbot der Eizellspende und ob das noch zeitgemäß ist. Das Verbot führt dazu, dass viele Paare eine lange Reise auf sich nehmen müssen und die Eizellspende im Ausland durchführen. Häufig sicher auch mit Sprachbarrieren, welche im medizinischen Bereich eine große Schwierigkeit darstellen können. In Österreich wird die Eizellspende sogar von den Kassen anteilig übernommen. Ich würde mir wünschen, dass Deutschland sich da mal seine vielen Nachbarländer anschaut und sich ein Beispiel daran nimmt.

kurz & knapp

  • In vielen europäischen Ländern ist die Eizellenspende gesetzlich erlaubt. Dazu gehören: Frankreich, Großbritannien, Spanien, Niederlande, Belgien, die Tschechische Republik, Slowakei, Polen, Ukraine und Österreich.
  • Laut dem deutschen Embryonenschutzgesetz dürfen Frauen nur eigene Eizellen wiedereingesetzt werden. Daher ist die Eizellenspende in Deutschland nicht erlaubt. Allerdings würde sich bei einer Behandlung nur der Arzt strafbar machen – nicht die Patientin und auch nicht die Spenderin. Wegen des gesetzlichen Verbotes gibt es auch keine Ansprüche auf eine Unterstützung durch die Krankenkasse.
  • Die Kosten für eine Behandlung variieren stark. Je nach Land müssen 4.000–9.000 € und mehr bezahlt werden. Hinzu kommen Reise- und Aufenthaltskosten.
  • In den meisten europäischen Ländern ist eine Eizellenspende nur heterosexuellen Paaren erlaubt. Die Voraussetzung verheiratet zu sein wurde aber meist abgeschafft. Trotzdem sind alleinstehende Frauen und gleichgeschlechtliche Paare dadurch im Nachteil.
  • Wer durch eine Eizellenspende schwanger geworden ist zählt hierzulande automatisch als Risikoschwangere. Die Wahrscheinlich, an Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes oder einer Präeklampsie zu erkranken, ist erhöht. Werden mehrere Eizellen in die Gebärmutter eingepflanzt, erhöhen sich diese Risken noch einmal. Außerdem ist dann die Möglichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft gegeben, die wiederum vermehrt in Frühgeburten enden.