nackenfalten Messung

 

 

Der erste Besuch beim Frauenarzt ist überstanden. Ja. Wir sind also wirklich schwanger. Nun heißt es abwarten und hoffen, dass es so bleibt. Dass sich dieses kleine Wunder gut festhält und groß und stark wird. Eine aufregende Zeit steht uns bevor, viele Dinge werden sich verändern. Wir werden viel hoffen und ab und an bangen, wir werden uns körperlich verändern und merken, was es heißt, seinen Körper zu teilen. Doch abgesehen davon, werden wir auch vor Entscheidungen gestellt, die wir davor wahrscheinlich noch nicht treffen mussten. 

Ärzte werden uns Möglichkeiten aufzeigen, wie wir unsere Schwangerschaft gestalten können. Wir werden uns Gedanken machen müssen, wie wir uns Kind zur Welt bringen wollen. Wir werden mit einer Hebamme besprechen, wie wir uns die Zeit nach der Geburt vorstellen. Viel Theorie, die uns des Öfteren erschlagen wird. Doch irgendwie kommen wir immer zu einer Entscheidung. Irgendwie werden wir uns schon durchschlagen, durch all die Dinge, die geregelt werden müssen. Doch häufig ist der erste Stolperstein, auf den wir stoßen, der zweite Termin beim Frauenarzt, in dem dieser uns aufklärt, dass es die Möglichkeit gibt, Pränataldiagnostik dazu zu buchen. Im Klartext bedeutet das, anhand von verschiedenen Tests Marker zu finden, die darauf hinweisen können, ob unser Kind krank sein könnte. 

Ein krankes Kind auszuschließen, ist für viele beruhigend. Die Gewissheit zu haben, dass das Kind krank ist, für viele ebenfalls, denn so kann man sich besser vorbereiten oder – und das kommt auch vor – sich gegen ein krankes Kind entscheiden. Oft ist die Angst vor der Antwort und der Entscheidung dahinter auch einfach zu groß. Doch oft ist auch die Aufklärung beim Arzt nicht die, die wir uns wünschen würden. 

Deswegen spreche ich heute mit Konstantin von „Richtig Schwanger“. Konstantin ist Assistenzarzt für das Fach Gynäkologie und Geburtshilfe – außerdem Blogger. Ich habe ihn nach seinem Wissen gefragt. Ihn zu den zwei bekanntesten und gängigsten Untersuchungen der Pränataldiagnostik interviewt, die uns beim Frauenarzt angeboten werden. Mit seinen Antworten hoffen wir, dass wir ein wenig Licht ins Dunkel bringen können und nicht nur ich, sondern auch ihr versteht, warum es diese Untersuchungen gibt. 

Lieber Konstantin, kannst du mir erklären, was eine Nackenfaltenmessung eigentlich ist?

Eine Nackenfaltenmessung findet zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche statt. Bei einer Nackenfaltenmessung findet ein Ultraschall statt, der die Flüssigkeitsansammlung zwischen der Wirbelsäule und der Haut des Kindes aufzeigt. In dem oben genannten Zeitraum kann man diese Flüssigkeit am besten sehen. Wenn dort viel zu viel Flüssigkeit ist, wäre das ein Hinweis darauf, dass eine Chromosomenanomalie vorliegen könnte. Als alleiniger Marker ist diese Untersuchung aber ungenau. Daher wird eine Nackenfaltenmessung, die auffällig ist, in der Regal immer weiter untersucht. Der nächste Schritt wäre dann der Harmony Test.

Vorteil einer Nackenfaltenmessung: ausführlicher Ultraschall, um auch zu erkennen, ob alle Organe angelegt sind und das Kind gut wächst. 

Und was genau ist ein Harmony Test?

Ein Harmony Test ist eine Blutabnahme bei der Mutter. In dem Blut sieht man nämlich anhand kleinster DNA-Schnipsel die Chromosomen des Kindes und somit auch Auffälligkeiten. So kann man erkennen, ob eine Trisomie vorliegt. Auch andere Anomalien können anhand dieses Bluttests untersucht werden – und natürlich auch das Geschlecht des Kindes. Der Harmony Test ist ab der vollendeten 10 Schwangerschaftswoche durchführbar, denn davor ist die Anzahl vom kindlichen Erbgut nicht ausreichend, um es im Blut der Mutter zu finden. 

Vorteil: Der Harmony Test ist sehr genau. 

Gibt es einen allgemeinen Rat, wann man die Nackenfaltenmessung oder den Harmony Test durchführen lassen sollte? 

Das wichtigste ist, dass zu Beginn einer Schwangerschaft ein ausführliches Gespräch zwischen Paar und Arzt stattfindet. Dabei ist auch ganz wichtig, dass das Paar sich vor der Untersuchung mit der Frage „was wäre wenn?“ beschäftigt hat. Denn wenn man beispielsweise eine auffällige Nackenfalte hat, wird diese im zweiten Schritt mit einem Harmony Test untersucht. Spätestens wenn dieser auch auffällig ist, ist es sinnvoll, wenn man sich im Vorhinein schon gedanklich damit auseinander gesetzt hat, wie man als Paar mit dieser Diagnose umgeht. 

Die beiden Tests schließen sich gegenseitig nicht aus, sondern gehen vielmehr einher. Die Nackenfalte sowie der Harmony Test geben keine 100% Sicherheit – die gibt es in der Medizin übrigens nie. In der Aussagekräftigkeit ist der Harmony Test genauer, aber auch teurer und er greift natürlich mehr ein, da der Mutter Blut abgenommen wird. 

So bald man die Nackenfaltenmessung gemacht hat und diese auffällig ist, wird der Harmony Test empfohlen. Andersherum ist es aber auch so, dass eine unauffällige Nackenfaltenmessung kein Grund wäre, dass der Harmony Test ergänzend gemacht werden sollte. 

Pauschal gibt es hier leider keine richtige Antwort. Beide Test haben ihre klaren Vor- und Nachteile. Bei beiden Test ist es am wichtigsten, dass man als Paar sicher ist, wissen zu wollen, was dabei herauskommen kann. 

 

Warum sind die Tests denn eigentlich so teuer?

Je nach Arzt sind die Preise unterschiedlich – da kommt es auch oft auf Weiterbildungen und den Standard der Praxis an. Doch man kann den hohen Preis des Harmony Test (um die 300€) auf jeden Fall damit begründen, dass die Blutuntersuchung im Labor sehr aufwändig ist. 

Ein guter Hinweis ist, dass sich Schwangere bei ihren Krankenkassen informieren, ob es zum Beispiel ein Kontingent für die Schwangerschaft gibt. Bei einigen Kassen steht einer schwangeren Frau nämlich eine gewisse Summe zur Verfügung, die sie für Untersuchungen innerhalb der Schwangerschaft benutzen darf. In der Regel werden solche Untersuchungen wie der Harmony Test aber nicht von den Kassen übernommen. 

Besteht die Gefahr, dass bei einem Test eine falsche Diagnose gestellt wird?

Die Gefahr besteht immer! Es gibt keine 100% Wahrscheinlichkeit. In beide Richtungen gibt es falsche Diagnosen, auch wenn man dazu sagen muss, dass es beim Harmony Test 

unwahrscheinlich ist. Ich selber habe noch nicht erlebt, dass eine Diagnose bei der Geburt nicht eingetroffen ist. 

Wie ist deine Meinung zu der Kostenübernahme bei Risikopatienten? 

Ich finde, dass es bei einer Risikoschwangeren (zB. Trisomien liegen schon in der Familie vor, Frau ist über 40) die Krankenkassen zahlten sollten. Denn bei solchen Risikiopatientinnen, ist eine höhere Wahrscheinlichkeit gegeben, dass eine Trisomie vorliegen könnte. Diese Frauen sollten die Möglichkeit haben, es zu wissen, wenn sie es möchten. Bei jungen unauffälligen Patienten ist eine Kostenübernahme aber nicht gerechtfertigt.

Konstantin von “Richtig schwanger” findet ihr hier