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Wir waren gerade erst einige Wochen zusammen. Ehrlich gesagt eine Einzige erst, als ich nichts ahnend in einem kleinen Beisatz, angeschwipst auf einer Party im Grünspan unter dem Motto „Rhythmusgymnastik“ beim Titel „Can’t Stop“ von den Red Hot Chili Peppers anmerkte, dass ich es schon wieder verbockt habe mir Karten für ihre Europa Tour zu organisieren.

Ihre Songtexte rauschen immer wieder durch meine Brine und genau deswegen stand ein Konzert bei den Red Hot Chili Peppers auf meiner Bucket Liste. Ich könnte noch erwähnen, dass ich den kleinen Hintergedanken hatte, dass man nie weiß, wie lange die schon etwas in die Jahre gekommenen Lebemänner noch unter uns weilen. Auf jeden Fall hatte ich in dem Moment, in dem ich das gesagt habe, schon wieder vergessen, dass ich es gesagt habe. Schließlich waren wir angetrunken und mit Knutschen beschäftigt.

Einige Wochen später wollte Nina mich wieder in Cottbus besuchen kommen. Sie sagte mir, ich sollte mir doch bitte den Donnerstag nichts vornehmen, da sie dort etwas geplant hätte. Ich hatte keine Ahnung, wovon sie sprach. Ich bin niemand, der auf Teufel komm raus versucht, herauszufinden, was es wohl sein könnte – viel lieber lasse ich mich überraschen. Das ist schließlich das überraschend Schöne am Überraschen mit Überraschungen. Doch damit ich ja nicht darauf komme, hat der freche Rochen noch eine verdammt fiese Finte aus dem Ärmel geschüttelt. Mitzunehmen hätte ich:  1. meinen Ausweis, 2. feste Schuhe und 3. eine Badehose. Was zum Teufel?

Am besagten Donnerstag verriet mir Nina immerhin, dass ich uns in meinem Gefährt Richtung Berlin fahren sollte. Gott sein Dank, denn hätte Nina mich navigieren müssen, wären wir wahrscheinlich trotz sechs Stunden Puffer zu spät gekommen. Ich habe noch nie jemanden erlebt, der sich so leicht von seiner einzigen Aufgabe ablenken lässt. „Nina, hätten wir nicht schon längst rechts gemusst?“ – Kurzer Blick auf den Beifahrersitz. Nina hektisch wischend auf ihrem Handydisplay. „Oh ja, vor 600 m schon. Da vorne musst du einen U-Turn machen.“ – 800 m später… das gleiche Spiel.

Auf der Fahrt ratterte mein Kopf nur so vor sich hin. Richtung Berlin? Tropical Islands! Das muss es sein! Braucht man da seinen Ausweis für? Und was soll ich da mit festen Schuhen? Klang erst so plausibel, dann auf einmal voll daneben. Doch bis zur Autobahnabfahrt dorthin war ich von der Idee überzeugt. Oder sogar noch zwei Ausfahrten später, falls das „upsi, wir sind schon zu weit“ gekommen wäre.

Also ging es weiter. Tatsächlich Berlin. Berlin-Mitte. Ninas Freundinnen aus Berlin hatten leider keine freie Couch für uns, so checkten wir in einem kleinen Hotel, direkt neben dem Mauerpark ein. Als wir unsere Sachen schnappten um loszuziehen ­- ich mit kleiner Tasche inklusive Handtuch und Badehose, festen Schuhen und dem Ausweis im Geldbeutel und Nina mit… Moment… Von wegen! Sie hatte gar keinen Bikini in ihrer Tasche. Sie wird mich doch nicht alleine irgendwo hinschicken – irgendwohin, wo ich mich zum Affen mache, während sie hinter einer dicken Glasscheibe mit dem Finger auf mich zeigt und sich vor Lachen nicht mehr einkriegt? Zugetraut hätte ich es ihr schon ein bisschen. Doch ich hielt die Füße still. Wir zogen etwas durch Mitte, um dann bei Ninas Lieblings-Vietnamesen zu landen. Superlecker! Zu meiner Überraschung auch sehr authentisch. Ich war schließlich gerade erst vier Wochen in Vietnam unterwegs gewesen und daher eher skeptisch, was die Deutsch-vietnamesische-Kost angeht. Doch auf Ninas Gaumen lässt sich mehr als vertrauen. Beim Essen und nach zwei „total“ landestypischen vietnamesischen Mojitos konnte Nina es dann doch nicht mehr für sich behalten und ließ mich raten. Mein erster Versuch: eine Schaumparty! Wo du nicht mitkommst, weil du gar keinen Bikini mit hast… Falsch. Zweiter Versuch: Ich muss mich irgendwo zum Affen machen und du machst dich schön über mich lustig! Irgendein Hindernis Parkour á la Ninja Warrior! Nope. Dritter Versuch: Doch Tropical Island? Fehlanzeige. Nina kam aus dem Lachen gar nicht mehr raus. „Hä…?! Warte mal! Ist heute nicht der 3.? Nein, halt stopp!“ Und ob! 2 Tickets für die Red Hot Chili Peppers in der Mercedes Benz Arena. Heute Abend!

Wir hatten einen genialen Abend. Ich fand es superkrass, dass Nina sich das gemerkt hatte und eine Woche damit zugebracht hat an Tickets zu kommen. Letzten Endes war es ein Softwarefehler, der ungewollt Tickets geblockt hatte und durch einen Leute-es-gibt-doch-noch-Tickets-bestellt-sofort-Aufruf bei Facebook hat Nina davon erfahren und noch Karten ergattert. Nun war ich an der Reihe.

Wieder war es Facebook. Ekelhaft. Echt schrecklich, wenn ich genauer drüber nachdenke. Aber ein kleiner „interessiert“-Klick von Nina führte dazu, das ich darauf aufmerksam wurde. Nina hatte anscheinend Bock auf den Gig von den Beginners in Berlin. Hamburg hatten wir leider schon verpasst. Also machte ich mich daran Tickets zu besorgen. Natürlich schon ewig ausverkauft. Nach einigem Hadern mit mir selbst bestellte ich dann viel, viel, viel zu teure Karten über einen Drittanbieter. Ich ließ mich natürlich nicht lumpen. Als junges Volk will man selbstverständlich nicht auf die Rentnersitzplätze im Rang, sondern rein ins Getümmel. Stehplätze mussten es sein! Noch beliebter, noch schneller ausverkauft gewesen, noch teurer. Aber: Check.

Mitte März. Zwei Wochen vor dem Beginner Konzert. Nina mit Mama und Bruder auf dem Weg nach Dortmund zum Sarah Connor Konzert. Ja, ihr habt richtig gehört. S-A-R-A-H C-O-N-N-O-R! Die gibt es noch. Sie macht immer noch Musik, oder eher „wieder“ Musik und da musste ich zum Glück nicht mit. Immer wieder mal versucht Nina mir Sarah Connor ins Autoradio zu schmuggeln. Aber da streike ich. Es ist nichts Persönliches. Ehrlich gesagt, habe ich nicht mal hingehört, was oder wie sie da so singt, aber auch wenn es Sarah mit ganz viel love versucht, kann ich mich leider nicht darauf einlassen. Einig sind wir uns jedoch wahrscheinlich alle, dass Sarah Connor und ihre Gefolgschaft ein ruhigeres Milieu abgeben als die Beginner und trotzdem war das Konzert schon zu viel für Nina. Anstatt feuerzeugschwenkender Weise in der Menge zu stehen, erhielt ich schon vorm Startschuss eine Nachricht mit: „Mein Kreislauf ist voll im Keller, habe jetzt einen Sitzplatz und meine Rückenschmerzen… Können wir für das Beginner Konzert Sitzplätze organisieren?

Sitzplätze? Aber meine hart erkämpften Stehplätze? Klar würde es bestimmt nicht schwer werden, jemanden zum Tausch zu motivieren. Aber die Stehplätze! Natürlich war es mir wichtiger, einen schönen Abend mit meiner Nina zu verbringen, als mir auf den Füßen rumspringen und Zigaretten an meinen Ellbogen ausdrücken zu lassen, um weit vorne an der Bühne zu sein. Wir haben unsere Karten vorm Konzert noch getauscht. Unnötigerweise. Mit den Tickets, die wir hatten, hätten wir uns einfach einen Sitzplatz krallen können. Im Fuchsbau (Max-Schmelig-Halle) kommt man nämlich auf der Höhe der Ränge rein und nur für den Innenbereich muss man noch mal sein Ticket vorzeigen. Naja, was soll`s. So haben wir eine gute Tat vollbracht und zwei Mädels, die sehnsüchtigerweise im Innenraum abgehen wollten, die Chance dazu gegeben.

Das Fazit dieses langen Textes fällt ziemlich knapp aus: Mit der Schwangerschaft ändern sich viele Sachen sehr schnell. Als ich die Tickets Anfang Dezember gekauft hatte, wollte ich unbedingt Stehplätze. Was soll denn in vier Monaten anders sein? Warum sollte man keine Stehplätze haben wollen? Wie spießig wäre das denn? Nicht spießig. Schwanger!