Geschlecht Verkündung

 

 

Wie soll ich euch denn nun erzählen, was ich in meinem Bauch habe? Die wichtigen Fakten kennt ihr alle: es ist ein Baby. Ein Zitronenbaby. Und doch gibt es da eine wesentliche Sache, die ich euch noch nicht berichtet habe. Denn irgendwie rückte diese Tatsache in den letzten Wochen so weit in den Hintergrund, dass sie nicht nur für mich irrelevant schien. Nach den ganzen Schreckensnachrichten war mir noch mehr – als eh schon – egal, was für ein Geschlecht unser Baby hat und trotzdem wurde „es“ ziemlich schnell sichtbar. Als der Arzt das Geheimnis lüftete, liefen bei mir erst einmal die Tränen. Vor Rührung, vor Glück, vor Stolz, denn irgendwie machte diese Information unser Baby greifbarer. Nach all den Diagnosen, die ich erfahren habe, konnte ich mir endlich etwas Schönes vorstellen. Hatte ein Bild vor Augen… von uns zu viert. 

Und heute möchte ich es auch euch endlich verraten. Wir wissen es zwei Monate und sind seitdem noch aufgeregter. Denn unser Leben wird sich noch einmal richtig verändern – mit einer Person mehr. Ich weiß, dass auch ihr gespannt seid, was ich euch gleich sagen werde, denn ja: das Geschlecht des Babys bedeutet viel. Auch wenn es natürlich eigentlich vollkommen egal ist, weil man sich über beides gleichviel freuen würde. Doch ob ein Mädchen oder ein Junge die Familie bereichern wird, ist nun mal etwas anderes. Und damit will ich keine Genderrollen bedienen. Unser Junge dürfte genauso gerne Ballett tanzen oder Friseur werden, wie ein Mädchen Fußball spielen oder Maschinenbau studieren darf. Viel mehr meine ich das Zusammenleben als Kleinkinder, Kinder, Jugendliche und auch im Erwachsenenalter. Beides gleich schön und doch beides irgendwie anders. 

Ich merke beim Schreiben, wie schwierig es ist, dies in Worte zu fassen, ohne dass die Genderpolizei direkt einschreitet, denn eigentlich will ich mit diesem Text genau das Gegenteil erklären. Wir sind ganz klar Team #farbensindfüralleda und das, obwohl ich verstehen kann, dass es halt festgefahrene Klischees gibt, die nun mal ein Geschlecht verdeutlichen – was nicht bedeutet, dass ich das gut finde. Doch ja… auch ich bin an meine Grenzen gekommen, als ich in meinem Kopf nach einer Idee gesucht habe, ein möglichst kreatives Bild zu produzieren, mit dem ich euch verkünden kann, ob Alma einen Bruder oder eine Schwester bekommt. Einerseits möchte ich um das Thema kein Riesenbohei machen, mag Gendertorten und diese oben genannten Klischees nicht bedienen, anderseits möchte ich natürlich bildlich verdeutlichen, wer in ein paar Monaten zu uns stößt. Daher mache ich es dieses Mal einfach andersherum, unterstreiche das Vorhersehbare und nehme euch ein wenig auf den Arm. Vielleicht möchte ich aber auch einfach, dass ihr meinen Text aufmerksam lest oder auch einfach nur ein bisschen für Verwirrung sorgen. Vielleicht möchte ich euch aber auch ein wenig auf die Folter spannen und vielleicht sind Farben auch einfach für alle. 

 

nina

 

Und somit freue ich mich wahnsinnig doll, nun das erste Mal auszuschreiben, dass wir ganz bald einen kleinen Jungen im Arm halten werden. Einen Bruder für Alma, einen Sohn für Hörby und mich. Und somit haben wir beides zuhause: ein Mädchen und einen Jungen. Können erleben, wie es ist, Eltern von beiden Geschlechtern zu sein und vielleicht stellen wir ja fest, dass es doch gar keine Unterschiede macht. Was auf jeden Fall klar ist, ist, dass unser kleiner Junge viel von seiner großen Schwester lernen kann und die vielen rosa Bodys tragen darf. 

Wir freuen uns auf dieses neue Abenteuer!